
Geschichte der Papierfabrik Blankenberg
von Markus Meltzer
Bis Dezember 1993 wurde in der Papierfabrik Blankenberg als Betriebsteil der Zellstoff- und Papierfabrik Rosental Blankenstein GmbH produziert. Mit einem teilweisen Abriß wurde 1995 begonnen. Der ehemalige Papiermacher Werner Langheinrich, Blankenstein bemühte sich um den Erhalt der dieser Fabrikanlage. Letztendlich hatten Einsprüche Erfolg. Der weitere Abriss konnte verhindert werden. Die Gesamte Anlage wurde unter Denkmalschutz gestellt. Als Museum soll nunmehr die Fabrik der Nachwelt erhalten bleiben.
Die Erwähnung einer Mühle, an diesem Standort, erfolgt urkundlich bereits 1371; als Kaiser Karl mit seinem Sohn Wenzel am 23.März des genannten Jahres von den Vögten von Gera die Feste Blankenberg kaufte, wurde unter anderen ausdrücklich die Mühle hervorgehoben. Hier handelt es sich um die Wassermühle ,die auf einer Karte aus dem Jahr 1757 noch eingezeichnet ist,heute aber nicht mehr besteht . Auf der erwähnten Karte findet sich ausserdem eine Papiermühle angegeben, die sich ab 1784 im Besitze des Papierhändlers Johann Wolfgang Rahm befand . Diese soll nach noch unbestätigten Angaben um 1700 als Mahlmühle und kurz nach 1730 als Papiermühle exestiert haben. Um 1787 pachtete der Papiermüller Adam Erdmann Flinsch diese und kurz darauf erwarb dieser die Papiermühle käuflich. Die Familie Flinsch führte 1843 die maschinelle Papierherstellung in Blankenberg ein.
Bis 1894 waren die Gebrüder Flinsch die Eigentümer. Am 6. Dezember 1894 erfolgte der Verkauf der Anlage an Gotthelf Anton Wiede, der bereits Eigentümer der Zellstoff und Papierfabrik Rosental Blankenstein war. Das Kaufobjekt bestand aus einer Papierfabrik mit Zubehör, Wald Wiesen und Feldern ,und dem altem Hammerwerk Katzenhammer nebst Wohnhaus und Stallgebäuden und dem Dorfhaus Nr. 102. Das Herrenhaus mit Garten sowie ein 80ha umfassender Wald auf bayerischer Seite kam noch hinzu. 1899 kam noch der Wolfstein mit eigener Jagdgerechtigkeit hinzu.
Da die Papierfabrik keine Bahnverbindung besaß und der Geschirrtransport nach Marxgrün über Issigau sehr kostenträchtig war ,wurde eine Schmalspurbahn bzw. Schmalspurgleis an der Saale entlang zum Hauptwerk Rosental Blankenstein verlegt. Die Straße nach Blankenberg musste untertunnelt werden und über die Saale eine Brücke gebaut werden. Die Bruckwagen für den Transport von Zellstoff, Holzschliff, Kaolin, Leim,Alaun, Kohle und andere Materialien nach Blankenberg und das fertige Papier nach Blankenstein, wurden mit Pferden gezogen. Deshalb wurde und wird diese Strecke heute noch Pferdebahn genannt.
Das gesamte Jahr 1895 verging mit dem Ausbau der Papierfabrik Blankenberg. Die Vorhandene Papiermaschine mit 1,50 m Arbeitsbreite ,1841 aus England importiert, wurde durch Anbau mehrerer Trockenzylinder und erweiterung der Siebpartie leistungsfähiger gemacht .Der Antrieb der Papiermaschine erfolgte über eine Dampfmaschine. Das Beiwerk Katzenhammer wurde so ausgebaut, daß ab dieser Zeit fotografische Kartons auf einer kartonmaschine mit Rundsieben produziert wurden. Die Frachtmengen steigen enorm.
Am 14.Juli 1897 erhielt Blankenstein einen mehrspurigen Bahnanschluß von Triptis über Lobenstein nach Blankenstein. 1901 erhielt diese Linie noch Anschluß an die Bahnstation Marxgrün durch das Höllental , so daß so daß von nun an nach Süden und Norden eine direkte Verladung der Güter ohne Geschirrtransport stattfinden konnte. Die Pferdebahn Blankenstein-Blankenberg und zurück wurde weiter mit Pferden betrieben .
Im April 1899 siedelte der jüngste Sohn des Besitzers, Dr.Fritz Wiede, von München nach Rosental über und zog 1901 in das Herrenhaus der Papierfabrik Blankenberg. Er kümmerte sich ab diesem Zeitpunkt um die Technologie der Produktion - vor allem auf chemischem Gebiet. Bereits ab dieser Zeit wurde in der Papierfabrik Blankenberg Streichrohpapier hergestellt und in der Streicherei mit Farben aus Glanzweiß, Blancefixe, Kaolin und anderen Stoffen beschichtet. Als Bindemittel dienten Kasein (Käsestoff aus Milch) und Limolin (Kartoffelstärke).Das Endprodukt war also buntbeschichtetes Papier, das anschließend noch über einen Kalander geglättet wurde.
Um die Nachfrage nach dem Papier zu erfüllen, wurde auf der Weltausstellung in Paris im Jahre 1900 eine Papiermaschine der Füllner-Werke aus Warmbrunn/Schlesien gekauft und bis 1909, am heutigen Standort aufgebaut. Die neue Maschine bestand aus einem Sandfang, drei langsam rotierenden Rundsiebzylinder als Knotenfang, einem Stoffauflauf, einer Siebpartie mit Registerwalzen, einem Fallsauger und fünf Flachsaugern und einer Saugwalze. Das endlose Langsieb war 2,25 meter breit und 25 meter lang. Das Siebmaterial bestand aus Phosporbronze. Weiter bestand die Maschine aus drei Naßpressen, davon eine als Wendepresse. Eine Trockenpartie mit vier Trockengruppen, eine Feuchtglätte, einen Nachtrockner, ein Kühlzylinder, ein Satinierwerk(Glättwerk)und eine Aufrolleinrichtung vervollständigten die Maschine. Um eine sufenlose Regelung der gesamten Maschine zu erreichen, wurde sie von einem Gleichstrommotor angetrieben. Alle Maschinen wurden über Transmissionen, Flachriemen und einem Stahlband angetrieben. Eine Dampfmaschine mit Generator erzeugte den benötigten Strom. Ab 1939/40 erfolgte die Stromversorgung über ein Stromnetz von Blankenstein. Die Dampfmaschine diente dann nur noch zur Notversorgung. Der Notstrom für die Beleuchtung wurde von einer Wasserturbine im Unterwassergraben erzeugt.Bis Kriegsende standen in dieser Fabrik ca. 130 Männer und Frauen in Lohn und Brot.
Nach Kriegsende begann der mühselige Neuanfang, aber der Besitzer Wiede wurde enteignet. Die Wiederinbetriebnahme der Fabrik erfolgte 1947 als sogenannter volkseigener Betrieb . Die Papierfabrik entging der unglücksträchtigen Demontage durch die russische Besatzungsmacht. Weil die technische Ausrüstung - Glücklicherweise - als veraltet angesehen wurde. Die Nachkriegsproduktion begann mit Schreib- und Druckpapier, Naturkunst- druck- und Packpapier. Dieser Fertigungszweig wurde nach acht Jahren eingestellt. Danach wurde mit der Herstellung Pergamentrohpapier begonnen. Dies war der Grundstoff für Echt-Pergament das im Hauptwerk Rosental hergestellt wurde .Dieses diente in der DDR als Butterbrot- und Margarine-einwickelpapier.
Die Tagesproduktion wurde bis 1993 auf ca 30 Tonnen gesteigert. Neue Zellstoffsorten mit hoher Reißkraft kamen zum Einsatz, ebenso wurden die Stoffsortierung und Aufbereitung verändert. Nach anfänglicher Ausweitung der Produkte, wurde bis zur Stillegung 1993 nur noch Pergamentrohpapier und Druckpapier hergestellt.
Nach der Stillegung begann der teilweise Abriss der aber bald darauf wieder eingestellt wurde. Die Fabrik wurde am 16.09.1994 unter Denkmalschutz gestellt. Um bald darauf, am 08.10.1997 an die TLG Treuhand Liegenschafts GmbH übergeben zu werden . Diese hat dann 1998 den Verein Industriearchäologie beauftragt, welcher unter Leitung von Herrn Mai, die Konservierung der Papiermaschine bis 2001 übernahm.
Die Treuhand Liegenschafts GmbH suchte nun einen Betreiber und fand disem nach langem suchen. Hans-Joachim Landsberg und seine beiden Söhne Cornelius Landsberg und Markus Meltzer zusammen mit einem Betreiber für die Wasserkraftanlage der den kompletten Kaufpreis vorlegte, übernahmen die Alte Papierfabrik Blankenberg im Dezember 1999. Diese gründeten im September 2000 den Verein Interessengemeinschaft Unabhängiger Handwerker ...e.V. und übertrugen diesem Verein der die Erhaltung der Denkmalgeschützen Alten Papierfabrik Blankenberg übernimmt und eine funktionsfähige Ausstellung zum Anfassen und Mitmachen im Bereich Papierherstellung, Handwerk und Industrie aufbauen soll. Im Jahr 2000 und 2001 war die Fabrik dann wieder der Öffentlichkeit zugänglich .Seit Anfang des Jahres 2005 ist die Papiermaschine auf Anfrage hin zu besichtigen.
Im November 2006 erfolgten durch mitglieder der IGUH e.V. erste Versuche Papier herzustellen. Seit anfang des Jahres 2007 wird kontinuierlich handgeschöpftes Büttenpapier und die sog. Blankenberger Herzen hergestellt. Wir zeigen dieses Handwerk auf Märkten Stadtfesten und auch an Schulen vor. Der Absatz unserer handgeschöpften Papiere entwickelt sich erfreulicherweise gut. Unser handgeschöpftes Papier aus Blankenberg wurde bereits in Blankenberg selbst, in Bad Steben,in Stadt Lichtenberg, in Tierhheim, Mitterteich,Freiberg, Gera, Chemnitz, nach Hamburg, und sogar in den Libanon verkauft.
© IGUH.e.V. Sitz Alte Papiermühle Blankenberg - 07366 Blankenberg a.d.Saale /Germany